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Türkei Analyse OÖN 17.12.2007 von ObstdG Mag. Dieter Muhr.
 

Die Türkei emanzipiert sich
 

Für die Türkei haben sich in den letzten Jahren Entfaltungsmöglichkeiten ergeben. Mit dem Zerfall Jugoslawiens bieten sich auf dem Balkan neue Optionen. Diese Region hat die Türkei jahrhundertelang beherrscht. Seit dem Untergang der Sowjetunion schicken sich die Türken an, auch nördlich des Kaukasus zu blicken. Und die Gespaltenheit der arabischen Welt will die Türkei auch in Richtung Süden ausnützen. Die Türkei projziert heute nicht unwesentlich politische, wirtschaftliche und militärische Macht.

Die Türkei hat mittlerweile die größte Wirtschaft im östlichen Mittelmeerraum, in Südosteuropa, dem Mittleren Osten und dem Kaukasus bis hin zum Hindukusch und steht mit seiner Wirtschaft in der Weltrangliste an 18. Stelle. Sie wird in Zukunft zum zentralen Transitland für Energielieferungen aus dem Kaukasus und damit sehr wichtig für Europa, das versucht, von den russischen Energielieferungen unabhängiger zu werden.

Die Türkei sieht sich selbst als Ordnungsmacht und Stabilitätsfaktor in der Region. Nachdem es den USA bislang nicht gelungen ist, eine tragfähige Ordnung im Irak zustande zu bringen, werden die Türken ihre Optionen selbst wählen. Gerade eben hat die Türkei ein eigenes Atomprogramm beschlossen – für eine friedliche Nutzung und als Ausgleich gegenüber Irans Ambitionen.

Ein Beitritt der Türkei zur EU liegt in weiter Ferne. Davon losgelöst können die Türken nun freier handeln und ihre Interessen unabhängiger von der EU verfolgen. Einschränkungen werden sie sich weniger gefallen lassen.

Neues türkisches Selbstbewusstsein sah man zuletzt, als die Türkei nach den Angriffen von Kämpfern der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) auf türkische Soldaten mit einem militärischen Vorgehen im Nordirak geantwortet hat. Nächstes Ziel dürfte die Errichtung einer Pufferzone sein. Die USA wollten die Vorgehensweisen der Türken gegenüber den von den USA unterstützten Kurden nachhaltig beeinflussen. Dabei wurde offensichtlich, wie eingeschränkt die Möglichkeiten der USA dahingehend sind.

USA brauchen die Türkei

Dazu kommt, dass 70 Prozent der Versorgung für die US-Truppen im Irak durch den türkischen Luftraum gehen. Und für die Zukunft der Region brauchen die USA die Türkei als Verbündeten. Die USA brauchen die Türken heute mehr als umgekehrt. Die Türkei wird nicht mehr als untergeordnete Macht mit den USA kooperieren. Die Türkei wird sich weiter als eine unabhängige Macht definieren. Sie wird sich ihre Verbündeten sorgfältig aussuchen und sich genau überlegen, wie sie sich verhält.

Heute wundern wir uns weniger über die Richtung der Vorgehensweisen der Türken, als über die noch langsame Geschwindigkeit, mit der sie ihre Ziele verfolgen. Der Aufstieg der Türkei steht erst am Anfang.

 

   
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